Geschichte:

 

Der Ort wurde erstmals urkundlich 1295 erwähnt und war im Besitz der Grafen von Sponheim.

Bereits 1317 wurde in Würrich eine Kapelle genannt.

1437 fiel der Ort den Marktgrafen von Baden und den Pfalzgrafen bei Rhein zu, die als Burgherren Würrich verwalten.

1708 kam es zur Teilung des Herrschaftsgebietes, Würrich wurde dem Marktgrafen von Baden zugeteilt.

Mit der Besetzung des linken Rheinufers 1794 durch französische Revulutionstruppen wurde der Ort französisch.

1815 wurde er auf dem Wiener Kongress dann dem Königlichen Preusen zugeordnet.

In der Flur "Auf der Acht" wurde 1870 ein römischer Gutshof entdeckt.

Nach dem Ersten Weltkrieg zeitweise wieder französisch besetzt, ist Würrich seit 1946 Teil des damals neu gebildeten

Landes Rheinland-Pfalz. Das ehemalige Schulhaus von Würrich wurde 1996 am orginalstand abgebaut und im Volkskunde-und Freilichtmuseum Rotscheider Hof wieder errichtet. im Mai 2000 konnte Richtfest gefeiert werden.

Danach diente das Haus zur Demonstration des Fachwerkbaus und für  entsprechende Schulklassenobjekte.

Nach weiten Umbauten wurde das haus 2008 für das allgemeine Publikum geöffnet.

Vom 7.-9. September 1996 konnten Würrich und Belg ihre 700-Jahrfeier ausrichten. Die Festtage begannen am Samstag mit einen schön geschmückten Festzelt, das an der Straße zwischen den beiden Dörfern errichtet war. Die neuen Wappen wurden vorgestellt, die auch an einem Findling befestigt sind, welcher seitlich der Straße nach Belg aufgestellt wurde. Innenminister Walter Zuber hat die Festrede gehalten. Heimatforscher Willi Wagner erläuterte sowohl die Gestaltung der Wappen, als auch den Inhalt der Chronik die er verfasst hatte. Die Musikkappele von Mörsdorf und der Feuerwehr Spielmannszug Treis- Karden, unterstützt von Fackelträgern der Feuerwehren von Würrich und Belg beendeten den offiziellen Teil des Abends mit dem großen Zapfenstreich. Erwähnenswert ist auch, daß viele ehemaligen Bewohner die alle eingeladen waren und zum Teil schon über 50 Jahre aus dem Dorf weggezogen sind, sich wieder trafen und bestimmt viel zu erzählen hatten.

 

Festprogramm

Samstag: 7.9.1996

  • Beginn 19.30 Uhr
  • Festakt mit Grußwort
  • Wappenübergabe und Großer Zapfenstreich mit dem Musikverein Mörsdorf und dem Feuerwehr Spielmannszug

        Treis-Karden

  • Tanz mit dem Musikverein Mörsdorf
  • Bilderausstellung an beiden Tagen

Sonntag: 8.9.1996

  • 10.00 Uhr Festgottesdienst
  • 11.00 Uhr Frühschoppen mit dem Musikverein Sohren
  • 12.00 Uhr Historisches Mittagessen
  • 13.30 Uhr Gruppensingen der Gruppe Idar, bestehend aus neun Chören mit Ehrungen
  • 16.00 Kaffee und Kuchen
  • 16.30 Uhr Trachtengruppe Kappel
  • 17.00 Uhr Dämmerschoppen mit den Jagdhornbläsern von Kastellaun
  • 19.00 Uhr Trachtengruppe Neuerkirch
  • 20.00 Uhr Tanzmusik

Am Sonntag auf der Straße zwischen Würrich und Belg:

  • Ausstellung von Oldtimer-Fahrzeugen
  • Ausstellung und Verkauf von selbstgefertigten handwerklichen Arbeiten
  • Vorführung vom Dreschen, Mäharbeiten, Garben,- Kasten aufsetzen

Beim Festzelt:

  • Hubschrauberrundflüge ab 11.00 Uhr
  • Flugsimulator
  • Kinderunterhaltung mit Springburg, Luftballonstart u.a.
  • Kutschfahrten rund um Würrich und Belg

Montag: 9.9.1996

  • ab 15.00 Uhr Zelt und Bierbrunnen geöffnet
  • ab 20.00 Uhr Tanz mit der Oberforstband und Tanzeinlage der Tanzgruppe "Exentric-Girls"

           

          

           Festausschuß

                der

       700 Jahr-Feier 1996

Das Dorf Würrich im 19. und 20. Jahrhundert

 

Infrastruktur der Gemeinde

Die Wasserversorgung

Wasser war in allen Zeiten die unerläßliche Voraussetzung zu einer Ansiedlung geworden. So mögen denn auch die Keltoromanen und Römer unseres Buriacum im Brühlbach und der Dohlück ihr nötiges Trink- und Brauchwasser gefunden haben. In fränkischer Zeit, als man die Siedlung von der Flur "auf der Gaß" in den heuteigen Dorfbereich verlegte, gingen sie schnell dazu über, Hausbrunnen anzulegen, denn das in einer  Mulde gelegene Würrich bot reichlich Wasser.

 

Würrich ist im 19. und im beginnendem 20. Jahrhundert ein Dorf der Brunnen gewesen.

Als Lehrer Hans-Ludwig Clemens 1968 die gesetzlich vorgeschriebene Gebäude- und Wohnungszählung durchführte, konnte er durch Gespräche mit älteren Leuten viel Wissenswertes über die Dorfbrunnen erfahren. Seine Nachforschungen hat er dankbarerweise in der Gemeindechronik festgehalten, worauf wir uns heute stützen können.

 

Als einer der ergiebigsten Brunnen im Ort wird der auf dem Grundstück Kaufmann bezeichnet. Er diente  zum Tränken des Viehs aus dem ganzen Dorf. Nach Berichten zufolge hatte er eine über dem Erdboden herausragende Mauerfassung mit einer Aussparung für die Treppe, die zum Wasser hinunter führte. Außerdem lag in der Nähe noch ein Brandweiher. Dann gab es Privatbrunnen innerhalb und außerhalb der Häuser. Erstere boten Sicherheit vor Vergiftungen, vor Verschmutzungen und Beschädigungen. Viele Familien hatten sich im Laufe der Zeit eigene Brunnenschächte, besonders in Kellern und Küchen angelegt. Das waren  zunächst ausschließlich Zieh- und Schöpfbrunnen, wobei man den Eimer mit Kette und Rolle hochzog oder ein Gefäß mit langer Stange benutzte.

 

Ortsplan von 1968 mit eingezeichneten Brunnen

Die Brunnen in der Nähe des ehemaligen Kirchhof waren wohl die Ursache für die Brunnenvergiftungen. Man mußte das Auftreten der Typhusepedemie, die in Würrich manches Opfer gekostet hatte, mit den ungünstigen Wasserverhältnissen an dieser Stelle in Verbindung bringen. Den alten Einwohnern blieben diese Ereignisse noch lange in Erinnerung.

 

In der Nähe der Ortslage gab es nach Aussagen der alter Leute drei kleine Weiher. Der eine ist der bereits erwähnte Brandweiher im Garten Kaufmann, der zweite lag nordöstlich des "Hohlwegs" in die Hunsrückhöhenstraße und der dritte zwischen den Grundstücken Schill und Willi Jost. Ein weiterer Weiher war auf natürliche Weise in der "Lehmkaul" südlich der Hunsrückhöhenstraße durch Oberfläschenwasser entstanden.

 

1889 beginnt die Gemeinde mit der Herstellung einer zentralen Wasserleitung.

Sie ist damit nach Raversbeuren die zweite Gemeinde im Amte Sohren, die die  Versorgung der Bevölkerung mit ausreichendem und einwandfreien Trinkwasser versorgte. 1896 war die Leitung fertiggestellt bei einer Baukostensumme von 9.500 Reichsmark.

Man hatte  durch  einen Stollen in der stillgelegten Erzgrube einen Eisenerzgang angebohrt, den Kanal im Stollen mit Platten ausgelegt und dann das Wasser durch einen aufgemauerten überdeckten Graben in den Hochbehälter geleitet. Bei dem starken Eisengehalt des Wassers blieb dies alles ein Provisorium, denn die Rohre setzten sich zu, und in trockenen Jahren versagte die Quelle oft vollständig. (Gemeindechronik, S. 9f).

 

Nach  der Jahrhundertwende schlossen sich mehrere Gemeinden zusammen, um die Wasserversorgung durch eine Gruppenwasserleitung zu erreichen. Belg, Würrich und Rödelhausen begannen als Gruppe 3 auf der Pfingstheide (Streitwies u. Sielendswies) zwei Quellen zu fassen und den Bau der Leitung in Angriff zu nehmen. Doch geriet das Projekt im Ersten Weltkrieg ins Stocken. Erst 1920 griff man den Plan wieder auf. Die Gemeinden Belg und Rödelhausen mußten aus finanziellen Gründen an der Weiterführung absagen. Würrich hatte Mittel genug, um noch im Jahre 1920 den vollständigen Neubau zu beenden, allerdings mit der Summe von 28.000 Reichsmark.

 

Diese neue Wasserleitung bewährte sich, auch in trockenen Jahren. In den 50er Jahren allerdings genügte sie den hygienischen Anfoderungen nicht mehr.Die Ursache ist darin zu suchen, daß das Wassereinzugsgebiet im Privatbesitz befindlichen Wiesen lag, die zu gegebener Zeit mit Jauche gedüngt wurde, wodurch der Sammelschacht verunreinigt wurde. Das Trinkwasser mußte aus diesem Grund stark gechlort werden. (Gemeindechronik S. 84). Mit der Erweiterung des Dorfes durch neue Häuser, die mit großzügigen Waschanlagen und eingebauten Bädern versehen wurden, mit  der Zunahme der Viehbestände in den landwirtschaftlichen Betrieben, stieg auch der Wasserverbrauch enorm an.

 

Im Zuge der Beschaffungsmaßnahmen im Dritten Reich sollte schon die Gemeindewasserleitung Würrich verbessert werden und erweitert werden. Im Beschlußbuch findet sich folgender Eintag: "Nach Anhörung der Gemeinderäte vom

3. November 1935 fasse ich folgende Entschließung. Zum Zwecke der Förderung der Arbeitsbeschaffung ist der Kreiskommunalverband Zell/Mosel seinerseits der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeiten gegenüber als übergeordneter Darlehnsnehmer für die Gemeinden zwecks Beschaffenheit der erforderlichen Geldmittel für die Erweiterung der Gemeindewasserleitung aufgetreten. Aus dem Kreiskommunalverband Zell/Mosel hierfür zugewiesene Gesamtdarlehnssumme von 66.300 Mark hat die Gemeinde Würrich 1.000 Mark erhalten". Der Bürgermeister i. V. Kötz.

(Beratungsbuch S. 20).

Ob auch der Rest ausgezahlt wurde und welche Maßnahmen ergriffen wurden, geht aus den Unterlagen nicht hervor

 

Nach dem zweiten Weltkrieg trat gelegentlich Wasserknappheit ein, die sich in den höher gelegenen Häusern bemerkbar machte. Um die Bewohner zur Sparsamkeit anzuhalten, setzte der Gemeinderat 1950 für jedes Wasserspülklosett

3.00 DM und für jedes Kraftfahrzeug 2.00 DM Wassergebühr fest. Im gleichen Jahr wurde das Forsthaus an die Wasserleitung angeschlossen. 1950 wurde ein Rohrmeister angestellt und 1955 eine neue Gebührenverordnung beschlossen.

(Gemeindchronik S. 86)

Indessen war im Belger Wald südlich der Höhenstraße eine sehr ergiebige Quelle von den Gemeinden Belg und Rödelhausen gebohrt worden. Für Würrich bestand die Möglichkeit, sich an dem Vorhaben zu beteiligen. Doch dieser Anschluß fand nicht die Mehrheit des Gemeinderates. Im Oktober 1962 beschloß man dann eine Neuverrohrung der Wasserleitung von der Streitwiese nach der Sielendswiese und den Bau eines neuen Hochbehälters oberhalb des Forsthauses.

Mit der Planung wurde das Bauamt Zell/Mosel beauftragt. (Beratungsbuch 15.10.1962).

 

1964 beschloß der Gemeinderat eine Tiefenbohrung bei der Sreitwiese im Wald Knobelsheck. Die Rohrgesellschaft H. Sieg in Lösenich wurde  mir der  Bohrung beauftragt, Kosten 11.981,00 DM. (Beratungsbuch vom 23.10.1964).

Im Januar 1966 wurde ein Wünschelrutengänger bestellt, denn die Tiefenbohrung war ohne Erfolg geblieben.

Auch die Bohrung im Januar 1965 in den Zeilen dicke Buche brachte kein Wasser. Die bohrung der Pferdsweide mußte eingestellt bei 48 m Tiefe eingestellt werden. Dann versuchte man es mit einer letzten Probebohrung auf dem Pfaffenacker 25 m von der Höhenstraße entfernt. Doch hier stieß man schon bei 29 m auf blauen Fels. Auf anraten des Wünschelrutengängers ging man noch einmal zur 3. Bohrung bei der Pferdsweide zurück. Dieser erneute Bohrungversuch gelang endlich, schon bei 49 m Tiefe stieß man auf Wasser. Es wurde dann bis 65 mTiefe weter gebohrt,

Bohrdurchmesser 50-55 cm. Der erste Pumversuch brachte 240 cbm an den Tag. Damit war für den damaligen Wasserverbrauch von 62 cbm reichlich Vorrat vorhanden. Die Bohrung konnte ausgebaut, der Hochbehälter "Im Ziegel" errichtet werden. (Beratungsbuch vom 24.1.1966). Die Elektroarbeitenam Wasserwerk wurden von der Firma Mähringer aus Sohren durchgeführt. Kosten 8.503,81 DM.

 

Mit dem Ausbau des Rohrsystems im Dorf selbst, das im Laufe der Zeit brüchig geworden war, begann man 1968.

Zunächst wurden alle Abzweigrohre vom Hauptrohr der Dorfstaße zum Hausanschluß erneuert. Nun stand noch der komplizierteste Teil des Wasserleitungsbaues bevor, die Auswechslung des Hauptrohres in der Dorfstraße. Mit ihr war der völlige Neubau der Straßedecke verbunden.

Die Absicht der Behörden, den Bau von Wasserversorgungsanlagen und Kanalisationen nur noch bei Zweckverbänden zu bezuschussen, ließ die Gemeinde Würrich, Belg, Rödelhausen und Hahn nähertreten. Nachdem die Gemeinde Würrich zunächst einen solchen Zusammenschluß ablehnte, kam es am 15. Januar 1970 zu einer öffentlichen Sitzung des

Gemeinderates in der Gastwirtschaft Boor in Anwesenheit des Verbandsbürgermeisters und des Amtmanns Stumm vom Bauamt Zell/Mosel. Nach stundenlanger Beratung stimmte der Gemeinderat dem Zusammenschluß zu, allerdings unter der Bedingung, daß beim Ausbau der Wasserleitung gleichzeitig auch die Kanalisation mitgebaut werden mußte.

(Gemeindechronik S. 132). Einen halben Monat später beschließt man die Ortskanalisation mit einer

mechanisch-biologischen Kläranlage nach dem Entwurf des Ingenieur Danaers in Koblenz. Der Bau der Kläranlage in der Wiese des Helmut (füher Schulweiher) kam nie zur Ausführung. (Gemeindechronik S. 132).

 

Wasserzähler wurden 1971 eingebaut. 1975 führte man die alte Quellfassung aus dem Wasserbehälter zu und setzte einen Auslaufhydrant. Das in Spitz- und Weidefässer abgefangene Wasser war in erster Linie für Feuerwehrübungen gedacht.

 

Durch Gesetz wurde 1975 die Wasserversorgung und die Abwasserbeseitigung an die Verbandgemeinde übertragen. Der lange  geplante und beschlossene Ausbau von Wasserleitungen und Kanalisation konnte endlich 1977 in Angriff genommen werden. Die Abwasserrohre wurden so tief gelegt, daß alle Abflüsse aus Kellern und Toiletten hineingeleitet werden konnten. (Gemeindechronik S. 139).

 

Um die Wasserversorgung des Flugplatzes Hahn sicherzustellen, wurde dieser 1989 an die "Wasserversorgung Rheinhöhen" angeschlossen. Die 250 mm starke Leitung, von Kastellaun kommend, führte südlich der Hunsrückhöhenstraße durch den Wirtschaftsweg der Gemeinde Würrich.

Straßen und Wege

In der Zeit von 1863-1874 baute die Gemeinde Würrich die Kommunalstraße von Würrich in Richtung

Altlay-Zell aus. Dabei mußte in Altlay das in der Straßenlinie gelegene Backhaus entfernt werden.

(AVG Ki Spezialbauakte Würrich).

Doch durch zunehmenden Autoverkehr stellte in den 30er Jahren starke Ansprüche an Straßen und Wege. In besonders schlechtem Zustand befand sich die Straße nach Zell/Mosel, die bisher von den Gemeinden Zell, Altlay und Würrich unterhalten werden mußten. Der Chronist Lehrer Jaske schreibt:

"Unter tatkräftiger Förderung von Herrn Landrat Stein aus Zell und Herrn Bürgermeister Weis aus Büchenbeuren wurde die ganze Straße auf den Kreis übernommen, in guten Zustand gebracht und nach Möglichkeit verbreitert. Eine in der Umlegung vorgesehene Autostraße, die von dem Forsthaus südlich an dem Dorf vorbeiführen sollte, konnte bisher aus Mangel an Mitteln nicht gebaut werden."

(Gemeindechronik S. 13)

 

Der Bau der Straße Kastellaun-Morbach, begonnen 1938, war im Frühjahr 1939 fertiggestellt und erhielt den Namen "Hunsrückhöhenstraße". "Was die  Straße für einen Wert haben sollte", vermerkte der Chronikschreiber 1939, "wurde uns bei dem  Truppenaufmarsch anlasslich des Polenkrieges und der Kriegserklärung von England und Frankreich klar. Nach Beendigung des Feldzuges in Polen wurden die dortigen Truppen nach der Westfront gebracht und wir bekamen in unserem Dorf die erste Einquartierung". (Gemeindechronik S. 25).

 

Die Provinzstraße, das ist der Name der Hunsrückhöhenstraße in preußischer Zeit, führte durch das Dorf Würrich. Durch den Bau der Hunsrückhöhenstraße kam es zu einer Verlegung, so daß die Straße jetzt südlich des Dorfes über die Wasserscheide führt. Der Provinzialverband bot den nicht mehr genutzten Straßenzug der Gemeinde an, die zunächst die Übereignung ablehnte. Am 20. April 1941 stimmte der Gemeinderat der Übernahme unter der Voraussetzung zu, daß der kürzeste Anschluß an die Hunsrückhöhenstraße hergestellt und in einen sauberen und ordnungsgemäßen Zustand gebracht werden müsse. Die bisherige Verbindung sollte auch weiter als Straße genutzt werden können.

(Entscheidungsbuch vom 20.4.1941).

 

Nach dem Krieg war im Straßenbau vieles nachzuholen. Schon 1950 beschloß man den Ausbau der Dorfstraße von Würrich. Nach Fertigstellung des Gemeindehauses wurde 1955 die Straße am Gemeindehaus erweitert und ausgebaut und der Platz vor dem Gebäude geplastert. (Gemeindechronik S. 55).

 

Seit 1961 wurde auch der Ausbau der Feldwege in Angriff genommen. 1961/62 erneuerte man den Feldweg am Friedhof vorbei in den "Buhlich", den Talweg in den "Berg", den Feldweg hinter Hoffmann in den "Berg" und den Weg hinter Reinhold Kaufmann in Richtung Verbindungsstraße Belg-Höhenstraße.

 

Stürme in Orkanstärke hatten damals gewaltige Löcher in den Würricher Wald gerissen. Der anfallende Holzeinschlag brachte zusätzliche Mittel in die Gemeindekasse, die zum Wegebau genutzt werden konnten.

Der Waldweg an der Verbindung nach Sohren und die lange Schneise in der "Pfingstheid" konnten gebaut werden, der Feldweg am Friedhof und am Schulneubau asphaltiert werden. "(Gemeindechronik S. 73).

 

Mit den Zuschüssen des "Grünen Plans" wurden 1969 die Witschaftswege ausgebaut. Im Haushaltsplan von 1968 hatte man 31.000 DM vorgesehen. Die Ortslage wurde geschottert und geteert, ausgebaut der Weg auf der Nordseite des Dorfes von Scheuer bis hin zur Dohlig-Bach, anschließend der Weg zur "Acht", auf der Ostseite der Weg von Haus Müller an der Weide Endres vorbei, anschließend bis zum Haus Heinz Schneider, dazu der Weg von der Kirche zum Haus Thomas.

(Entscheidungsbuch vom 13.5.1969).

 

1971 wurden die Wege nach "Buhlig" und zum "Grauen Stein" im Rahmen des "Grünen Plans" ausgebaut, zu den Kosten gab es 50% Zuschuß. 1974 erfolgte der Ausbau des Bachwegs bis zum Bannecker Berg mit einer Teerdecke und in den Dorfbach wurden Zementschalen bis zum früheren Schulweiher gelegt.(Gemeindechronik S. 135).

1975 wurde der Rodungsweg am Wald vorbei asphaltiert und in Richtung Sohrenerweg ein Schotterwaldweg angelgt.

 

Die Straße von der Belger Bushaltestelle durchs Dorf bis hin zur Hunsrückhöhenstraße wurde 1977 vom Kreis übernommen (K 83). Im späten Herbst 1979 wurde die Straßendecke von Albert Thomas bis hinauf zum Forsthaus aufgerissen.

Ein Dauerregen im November verwandelte die Ortsstraße in einen einzigen Lehmsumpf. Die letzten Feldarbeiten mußten über die Ortslagenwege hinterm Dorf getätigt werden. Von hier spielte sich auch der Autoverkehr ab. Schnee und Frost zu Beginn des nächsten Jahr ließendie holprige Dorfstraße ein wenig passierbar werden. Im März ging der Straßenbau weiter, der Straßenrand mußte begradigt, Gartenmauern versetzt und zu beiden Seiten Gehwege gebaut werden. Dem Gemeindehaus gegenüber wurde die Bushaltestelle, vor dem Gemeindehaus durch Ankauf eines Gartengrundstückes ein Parkplatz errichtet.

"Das Dorf hat durch diese Erneuerung sehr viel gewonnen. Es zählt zu den schönsten Dörfer im Hunsrück", trägt Bürgermeister Adolf Hoffmann 1979 in die Gemeindechronik ein.

Die Elektrizitätsversorgung

Von ebenso großer Bedeutung war die Einführung des elektrischen Stromes.

Der erste Weltkrieg brachte eine Verzögerung zum Bau einer erforderlichen Überlandzentrale.

Am 30. Januar 1920 sprach sich die Gemeinde Würrich für den Anschluß an einer Versorgung aus. Der Bau konnte 1921 verwirklicht werden. Die Beleutung der Zimmer  erfolgte in früheren Zeiten durch Rüböldochtlicht, später durch Petroleumlampen. Endlich kam auch für die Bewohner von Würrich die Zeit, die ihnen die Wohltat der Elektrizität bringen sollte. Das Dreschen und Holzschneiden wurde sehr erleichtert durch die Anschaffung von Elektromotoren. Straßenbeleuchtung gab es überhaupt erst mit der Einführung des elektrischen Lichtes. Auch wurde eine elektrisch betriebene Mahl-und Schrotmühle in einem Raum der Stierscheune gebaut. Bisher wurde das Korn in gesellschaftlichen Wassermühlen gemahlen. Eine Mühle mit elf Genossen lag im Würricher Bachtal. Die übrigen Bürger hatten in Belg an zwei Mühlen Anteile. Doch fehlte es oft an Wasser, weil der Lauf der Bäche zu kurz war. Zur Zeit ist keine von den Wassermühlen mehr in Betrieb und dieselben verfallen allmählich. "(Dorfchronik, Seite 10, geschrieben in den 20er Jahren)". Träger der Elektrizität ist die RWE Trier. Eine Trafostation war vorhanden. 1965 waren für die Ortsbeleuchtung 12 Lampen vorhanden. Im Frühjahr 1987 kam es zum Bau einer 110KV-Leitung von Nieder Kostenz nach Blankenrath.Sie führte zum Teil über die Gemarkung von Würrich. Sie wurde nach Kirchberg weitergeführt, konnte aber lange Zeit durch den Einspruch der Anlieger nicht in Betrieb genommen werden.

Das Postwesen

Leider kann aufgrund der fehlenden Gemeindebeschlußbücher nicht angegeben werden, in welchem Jahr Würrich seine erste Fernsprechanlage bekam.Vermutlich aber zu Beginn der 20er Jahre. Die Anschlüsse der Orte Würrich, Belg, Rödelhausen, Altlay und Briedeler Heck wurden zum Fernsprechbezirk Würrich zusammen gefaßt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Fernsprechamt eines der kleinsten in der Bundesrepublik, denn es zählte kaum hundert Anschlüsse. Im Ortsverkehr konnte man keinen Artz, keine Feuerwehr und keine Unfallstelle in einem Dringlichkeitsfalle erreichen. In den 50er Jahren stieg die Zahl der Anschlüsse sprunghaft an. Die Fernämter mit Handvermittlung konnten dem Ansturm kaum gerecht werden. Die Folge war, daß die Würricher Fernsprechteilnehmer oft 10 Minuten und länger auf die  Vermittlung warten mußten. Hinzu kam, daß seit 1964 zum Teil durch die anfälligen Oberleitungen, zum Teil durch die veraltete Anlage und ihre Unterbringung kaum ein Tag verging, ohne daß eine Reparatur vorgenommen werden mußte. Das führte zur Auflösung dse Amtes Würrich. Im Laufe des Sommers 1965 verlegte die Post Erdkabel und löste 12. Februar 1966 das Amt Würrich auf. Es wurde dem Amt Büchenbeuren angeschlossen.

Die Postzustellung erfolgt heute wie im Nachbardorf Belg von Blankenrath aus (Stand 1996).

Die von der Bundespost erstellte öffentliche Telefonzelle befand sich neben dem Gemeindehaus. Das Dorf hat zur Zeit 49 angeschlossene Teilnehmer (Stand 1996).

Die Gemeinde und ihre Einrichtungen

Die territoriale Zugehörigkeit von Würrich

bis 406       römisches Reich

nach 450    unter den Franken

bis 995      zum Königsgut Denzen im Nahegau gehörig

995-1100   Besitz der Gaugrafen Berthold/Bezelin

nach 1100   Besitz der Grafen von Sponheim

1310-1437  vordere Grafschaft Spohnheim, Kirchberger Landveste, Kostenzer Pflege

1437-1708  unter badischer, kurpfälzischer und pfalz-simmerischer Gemeinsherrschaft, Oberamt Kirchberg

1708-1794  Marktgrafschaft Baden, Oberamt Kirchberg, Pflege Belg

1794-1814   französische Herrschaft, Mairie Oberkostenz, Kanton Kirchberg, Arrondissement Simmern

1814-1815   der österreichisch-bayrischen Landesadministration untergestellt

1816-1945   Preußen, Amtsbürgermeisterei Sohren, Kreis Zell, Regierungsbezirk Koblenz

1937           Umbenennung des Amtes Sohren in Amt Büchenbeuren

seit 1970    Rhein-Hunsrück-Kreis, Verbandsgemeinde Kirchberg

Die Schöffen, Vorsteher und Ortsbürgermeister von Würrich

1906 wird in Würrich der Betschöffe Johann Peter Dilgen genannt.

Wir finden Betschöffen häufig in der Funktion von Laienrichter, auch in kirchlichen Angelegenheiten.

Der seit 1784 genannte Vorsteher stand an der Spitze der Gemeinde und bildete mit den Beigeordneten den Gemeindevorstand, während der Bürgermeister die Kasse führte und die Ordnung in der Gemeinde handhabte.

 

Folgende Betschöffen, Vorsteher und Bürgermeister sind für die Gemeinde genannt:

1606            Johann Peter Dilgen, Betschöffe

1784            Kaspar Schuch, Vorsteher

1786            Peter Schneider, Bürgermeister

1820            Mathias Stumm, Schöffe

1829-1833   Echternacht, Schöffe

1843            Jost, Schöffe

1849            Braun, Ortsvorsteher

1856            Jakob Bonn, Vorsteher

1857-1862   Ferdinand Albohr, Vorsteher

1863-1865   Nikolaus Jost, Ortsvorsteher

1866-1868   Peter Lang, Gemeindevorsteher

1869-1871   Adam Jost, Vorsteher

1872-1874   Nikolaus Bonn II, Vorsteher

1874            Mathias Claßmann, Vorsteher

1875-1878   Wilhelm Meurer, Vorsteher

1878-1883   Göhl, Vorsteher

1884-1890   Claßmann, Vorsteher

1891-1894   Schuch, Vorsteher

1894-1897   Weber, Vorsteher

1897-1912    Jost, Vorsteher

1913-1914    Mörsch

1914-1919    Kötz, Vorsteher

1919-1921    Friedrich Kaufmann, Gemeindevorsteher

1922-1924   Rudolf Endres, Gemeindevorsteher

1924-1934   Friedrich Heinz, Gemeindevorsteher

1935-1936   Adolf Kötz, Bürgermeister i.V.

1937-1939   Adolf Hoffmann, Bürgermeister

1941-1944   Otto Bonn, Bürgermeister i.V.

1945-1946   August Jost, Vorsteher

1946            Artur Claßmann, Vorsteher

1947-1950   Wilhelm Barth, Vorsteher

1950-1956   Adolf Hoffmann, Vorsteher

1956-1960   Artur Claßmann, Vorsteher

1960-1976   Adolf Hoffmann, Gemeindevorsteher

1976-1994   Alfred Jost, Gemeindvorsteher

ab 1994       Elmar Herberts, Ortsbürgermeister

 

 

 

Rudolf Endres

Gemeindevorsteher

von 1922-1924

 

 

Friedrich Heinz

Gemeindvorsteher

von 1924-1934

 

 

Adolf Kötz

Bürgermeister i.V.

von 1935-1936

 

Adolf Hoffmann

Vorsteher

von 1937-1939

1950-1956

1960-1976

 

 

Otto Bonn

Bürgermeister i.V.

von 1941-1944

 

 

August Jost

Vorsteher

von 1945-1946

 

 

Wilhelm Barth

Vorsteher

von 1947-1950

 

 

Artur Claßmann

Vorsteher

von 1946 

1956-1960

 

 

Alfred Jost

Gemeindevorsteher

von 1976-1994

 

 

Elmar Herberts

Ortsbürgermeister

von 1994-heute

Zwei Bürgermeister des Dorfes Würrich verdienen besonders hervorgehoben zu werden:

                                    Adolf Hoffmann und Alfred Jost.

Adolf Hoffmann hat die Geschicke der Gemeinde über 22 Jahre geleitet.

1969 wurde ihm bei der Kommunalwahl mit 81 Stimmen noch einmal ein überwältigender Vertrauensbeweis zuteil.

Für die Gemeindeglieder bestand wegen der korrekten Amtsführung, der langjährigen Amtserfahrung und der eigennützigen Aufopferung für die Interessen des Dorfes gar keine Veranlassung, sich anders zu entscheiden.

Seine Amtszeit begann in der schwierigen Nachkriegszeit, in der viel Aufbauarbeit geleistet werden mußte.

Die Quellfassungen, der Wasserleitungsbau, die Ausbauarbeiten an Feldwegen und Dorfstraßen und der Bau des Gemeindehauses haben seine ganze Kraft gefordert. Nach seiner Amtsniederlegung verkaufte Adolf Hoffmann sein Anwesen an Helmut Endres und verzog nach Büchenbeuren, blieb aber mit dem Ort weiterhin verbunden und schrieb die Gemeindesschronik bis 1982.

 

Alfred Jost war 18 Jahre Gemeindevorsteher. Unter ihm wurde die Wasserleitung durch das Dorf gebaut, die Kanalisierung erneuert, der Straßenbau im gesamten Bereich des Dorfes durchgeführt.

Nach dem Tode von Adolf Hoffmann im Dezember 1983 übernahm Afred Jost die Weiterführung der Gemeindechronik.

Der Gemeinde-und Städtebund ehrte 1986 für eine  über 20jährige Tätigkeit als Ratsmitglieder Alfred Jost, Artur Claßmann, Hermann Hammen und Helmut Kötz. Die Amtszeit von Alfred Jost endete nach den Kommunalwahlen im

Juni 1994.

Haushaltspläne und Finanzen

Durch den großen Waldbesitz galt Würrich immer als ein reiches Dorf. Im Rückgriff auf die Holzeinnahmen konnten für die notwendigen Verwaltungsaufgaben auch immer die geldlichen Leistungen erbracht werden, die für den Wegebau, die Wasserleitung und sonstige gemeindliche Einrichtungen erforderlich waren.

Aufstellung Gemeindehaushalt siehe Chronik-Buch "Belg und Würrich"

Naturaldientleistung

Die Untertanen von Würrich und Belg waren schon das Mittelalter hindurch ihrem Landes- und Lehnsherren zu einer Reihe von Abgaben und Diensten verpflichtet. Solange die  Herrenhöfe selbst bewirtschaftet wurden und unter der Aufsicht eines Hofmanns standen, mußten sie, je nach Zeit und Umständen, Felder und Wiesen mähen, die Ernte einfahren, die Frucht dreschen und mahlen, Holz anfahren und klein machen und kleine Bodengänge verrichten. Diese Arbeiten sind unter dem Namen Frondienst bekannt. Fronland bedeutete Herrenland.

Es waren Grundstücke, an denen der Frondienst haftete. Bis heute ist in Würrich der Flurname "Hinter der Acht" und "Vorn auf der Acht" erhalten. Dieses Wort "Acht" mhd achte = Landgut ist auf den Grundbesitz der Herrschaft zurückzuführen. Dieser Grundbesitz unterlag dem Frondienst.

 

Als Napoleon die Feudalrechte abschaffte, haben die Dorfbewohner die früher für die Herrschaft zu leisteten Dienste zu Gemeindangelegenheiten erklärt und sie im eigenen Interesse wahrgenommen. Diese Fronarbeit umfaßte nun die Unterhaltung von Straßen, Wege und Brücken, Gemeidehäuser, Gemeinde-Hirtenhäuser, gemeinschaftliches Flachsbrechen, Backhäuser, Schulhäuser und Ziegelhütten, die allgemein auf Gemeindegrundstücken erbaut wurden, pflegten.

 

In der Gemeindeverordnung für die Rheinprovinz von 1845 und in späteren Ergänzungen waren die Hand- und Spanndienste im einzelnen geregelt. Dem Frondienstleistende waren für seine Arbeit aber auch viele gewisse Rechte eingeräumt, beispielsweise die Brennholzlieferung und wie in Würrich die unentgeldliche Nutzung des Gemeindlandes. Im Kommunalabgebegesetz von Dezember 1964 wurden die Hand- undSpanndienste abgeschafft. Die Gemeinde Würrich hob am 1. Januar 1972 den Gemeindefrondienst auf. (Gemeindechronik S. 133).

Die verschiedenen Gemeindeämter

Die Anstellung von Feld- und Waldhüter, von Nachtwächtern und Hirten war eine Angelgenheit der Gemeinden. Solche Gemeindeämter hat der Gemeinderat von Würrich sicher über Jahrhunderte vergeben. Beim Fehlen der Beschlußbücher lassen sich darüber keine Angaben machen. Eine einzelne Notiz ließ sich in der Gemeindechronik für das Jahr 1946 feststellen: "Der Schafhirte Heinrich Ochs und seine Ehefrau Wilhelmine geb. Ewein feierten am 25. September das fest der goldenen Hochzeit." (Gemeindechronik S. 36). Der Weidebetrieb freilich war längst eingestellt.

Im Umlegungsverfahren 1926 war die Gemarkung neu aufgeteilt worden, Weideflächen gab es nicht mehr.

 

 

Der Würricher Schäfer Heinrich Ochs

         bei seiner Schafherde

             (Anfang 1950)

            

               Goldene Hochzeit

                        von

     Heinrich und Wilhelmine Ochs geb.Ewein

                       1946

Die gemeindeigenen Gebäude

Das alte Backhaus

Würrich hatte sicher im 18. Jahrhundert bereits ein Backhaus. 1846 hatte der Maurermeister Binzen aus Zell das alte Backhaus untersucht, aber in einem so schlechten Zustand vorgefunden hat, daß der Gemeinderat sich zur Erbauung eines neuen Backhauses entschloß. Der Neubau wurde dem Maurer E. Anker übertragen. Die Kosten für das neue

Gemeinde- und Backhaus betrugen 521 Reichstaler. 1849 war der Bau fertig gestellt. (AVG Ki Spezialbaukasse).

Das alte Backhaus stand in der Dorstraße vor dem Haus des Peter Weber.

 

1956 wurde der alte Backhausplatz mit Gebäude an die Eheleute August und Elfriede Albohr geb. Emmel zum Preis von 1.100 DM verkauft. (Entscheidungsbuch von 14.1.1956).

                           

                         Das neue Gemeindehaus wird gebaut

schräg gegenüber das alte Backhaus mit dem im 1. Stock befindlichen Gemeindsaal

         hinter dem Radfahrer ist der alte einstöckige Schulsaal zu erkennen

Der Stierstall

(Zuchtiere: Stier und Eber)

Bis zum Jahre 1882 galt das französische Gesetz zur Stiehaltung: "Nach diesem Gesetz gehörten nämlich das Weidewesen, die Angelegenheiten der Gemeindeherde, insbesondere die Haltung der Zuchttiere nicht zu den Gemeindeangelegenheiten und die bezüglichen Kosten nicht zu den Gemeindeaufgaben, vielmehr waren diese Kosten ausschließlich von denjenigen zu tragen, welche von den diesbezüglichen Einrichtungen Vorteile zogen." (Müller, Landwirtschaft S. 191).

 

Nachdem der preußischen Staat das Bullenhaltungsgesetz erlassen hatte, ging die Vatertierhaltung auf die Gemeinde über. Zum Bau der eigenen Gemeindestierställe erhielten sie ein unverzinsliches Staatsdarlehen,

sie waren aber verpflichtet, nur Zuchtstiere für den betreffenden Bezirk anerkannten Rasse zu verwenden.

Die Ausführung des Stierstallbaues in Würrich hatte im Jahr 1900 die Gemeindevertretung dem Maurermeister Elz aus Hirschfeld übertragen. Bis auf die Materialien, die die Schlosser, Klempner und Maler verwendeten und das Holz zu den Fenstern, lieferte die Gemeinde das gesamte Material.

Der Bau erhielt einen geräumigen Stall für 3 Stiere mit Zwischengängen, einen Stall für den Zuchteber, eine Kelterstube, einen Haferspeicher, eine Tenne, zwei Streuräume und genügend Futterräume.

Die Fundamente und das Mauerwerk bis Bodenhöhe wurde in Bruchsteinen, das erste Stockwerk in Ziegelmauerwerk ausgeführt. Alles übrige war Fachwerkbauwerk mit Schiefer beschlagen.

Die Gesamtkosten betrugen 5.380,49 Reichsmark. (AVG Ki Altakten Würrich).

 

1937 erfolgte ein Umbau des Stierstalles, 2.000 Mark waren vorgesehen.

Stierpfleger war 1959 Ernst Weber. Die Fütterung der Stiere wurde im August 1968 an Walter Herberts übertragen. Er erhielt für Fütterung und Plege 2.000 DM. Die Gemeinde gab 1971 die Eber- und 1982 die Stierhaltung auf.

 

 

Plan zum Stierstallbau in Würrich um 1900

              vordere Ansicht

1990 brach man die Stierscheune und die ehemalige Mühle ab, dadurch erhielt man die Fläche für den neuen Brunnendorfplatz.

Das Spritzenhaus

1842 lag das Spritzenhaus neben dem Schulsaal gegenüber dem Aufgang zur Kirche. Es wurde Zeitweise zur Unterbringung des Schulholzes benutzt (siehe Schulhausbauten). 1937 sollte das Spritzenhaus für

1.500 Mark umgebaut werden. Die Gemeinde besaß 1937 eine eigene Säemaschine, kaufte 1937 eine Obstbaumspritze. Im gleichen Jahr wollte man auch eine Kartoffel- Dämpfkolonne anschaffen. Über die Benutzung der Gemeindewaage wurde eine Gebührenordnung aufgestellt: Für 1 Stück Großvieh 0,60 Mark, für 1 Schwein 0,40 Mark,

für 1 Kalb oder Schaf 0,25 Mark. (Entscheidungsbuch von 1937).

1942 wurde aus Gemeindemittel eine Kleereibe angeschafft. Die Gerätschaften waren in verschiedenen gemeindeeigenen Gebäuden untergebracht.

Das Hirtenhaus

Das nach dem Urkataster von 1832 eingetragene Hirtenhaus lag gegenüber dem Aufgang zur Kirche. Es wurde 1840 bei Bau des neuen Schulsaales abgerissen.

Ein neues Hirtenhaus  wurde am anderen Ortseingang auf'm Klopp errichtet. Es lag zwischen dem Oberdörfer Backhaus und der ehemaligen Volksbankfiliale. In Fachwerk aufgerichtet, war es ein typisches Hünsrücker Quereinhaus mit Wohnhaus, Stall und Scheune unter einem Dach. Nach dem Brand 1906 baute Ernst Lang an gleicher Stelle ein Wohnhaus.

  Das alte Hirtenhaus um 1903

Das Gemeindehaus

Die Gemeindebackhäuser sowie das Spritzenhaus befanden sich in den Kriegs- und Nachkriegsjahren in einem baufälligen Zustand, so daß man eine Reparatur als unzweckmäßig ansah. Als der Landwirt Adolf Hoffmann 1950 ein neues Anwesen auf seinem elterlichen Grundstück errichtete, wurde das neben dem Backhaus stehende alte Gehöft frei zum Verkauf. Die Gemeindevertretung erwarb 1952 dieses Anwesen zum Preis von 8.750 DM. Hier im Mittelpunkt des Dorfes sollte ein neues Gemeindehaus errichtet werden.

 

Am 16. Juni 1953 beschloß der Gemeinderat den Bau eines Gemeindehauses. Regierungsbaurat Dr. Stephan vom Kreisbauamt in Zell wurde mit der Planung beautragt. Die Kosten waren auf 75.000 DM veranschlagt worden. Der Bau sollte in drei Bauabschnitten erfolgen 1953 waren die alten Gebäude auf Abbruch ausgeschrieben und auf Maurermeister Peter Blümling aus Bärenbach übertragen worden.

                  

                  Gehöft Schug (später Hoffmann).

        An dieser Stelle wurde das Gemeindehaus errichtet v.l.:

      August Schug, Karoline Schug, Pauline Schug, Alwine Schung,

                  Hubert Klein  (Postbote aus Altlay)

                      und Hilda Schug (ca. 1920)

Die Bauarbeiten wurden ab September 1953 an folgende Firmen übergeben:

Erd- Maurerarbeiten an Richard Calliari in Bullay, Zimmerarbeiten an Richard Schuch in Belg,  Klempnerarbeiten an Firma Haas in Zell, Dachdeckerarbeiten an Peter Bongard in Bärenbach, Kunststeinarbeiten an Firma Kunz in Horbruch, Schreinereiarbeiten an Herrmann Thomas,

Holzbackofenbau an Firma Rausch in Bell/Eifel, Elektroarbeiten an Peter Beil in Kirchberg, Malerarbeiten

an Ernst Hammen in Sohren, Fliesenarbeiten an Lorenz Horn in Bullay und die Installationsarbeiten an Matthias Kollmann in Sohren. (Entscheidungsbuch für das Jahr 153 u. 1954).

 

Im Jahre 1953 wurde  das Gemeindehaus in den Rohbau gestellt. 1954 waren die Arbeiten soweit beendet, doch die vollständige Ausstattung mit Möbel (Tische u. Stühle) zögerte sich ins Jahr 1955 hinaus. Dann war die Arbeit vollendet.

Im Erdgeschoß des neuen Gemeindhauses befanden sich:

1. ein Backraum verbunden mit einem Holzbackofen und einem Elektrobackofen

2. ein Raum für die Saatreinigungsmaschine

3. ein Raum für Feuerlöschgeräte

4. ein Raum für die  Gemeindeviehwaage

5. ein Abstellraum verbunden mit einem Raum, welcher vorgesehen ist für eine gemeinschaftlich    

    eine gemeinschaftliche Waschanlage bzw. Gefrieranlage

          

            Das duftende Brot wird aus dem Ofen genommen.

        Else Kötz und Maria Schneider haben ihre Arbeit beendet

rechts im Bild: Familie Kabsch, die gerade aus der "DDR" auf Besuch war

 

 

    Maria Schneider beim

         "Frischen"

        des Brotes

In der ersten Etage:

Ein Treppenaufgang führt zu einem schönen, gemütlichen Saal, dessen Fläsche eine Größe von 120 qm hat. Neben dem Saal befindet sich eine große geräumige Küche, ein großes Ratszimmer und zwei Spülklosett.

Im Saal steht ein großer moderner Kachelofen. (Gemeindechronik S. 52)

 

Im Mai 1955 erfolgte die feierliche Einweihung des Gemeindhauses. Es wurden an zwei Tagen gefeiert. Landrat und Amtsbürgermeister und alle am bau beschäftigten Hanwerker waren der Einladung gefolgt.

Eine Einweihung, welche großzügig aufgezogen wurde und von der man noch nach Gernerationen reden wird.

1960 beschloß der Gemeinderat die Anschaffung einer Waschmaschine mit Schleuder.

 

                        1960

             Frauen im Gemeindehaus beim

                    Porzellan sortiern

1973 kaufte die Gemeinde Kaffeegeschirr für 100 Personen und zur Unterbringung die erforderlichen Schränke. Die Elektroheizung wurde 1974 eingebaut, Isolierglas im Jahre 1984 und im Kellergeschoss ein Kühlraum mit zwei Kühlzellen eingerichtet.

Am 2. Januar 1989 wurde mit den Sanierungsarbeiten am Gemeindehaus und an der Stützmauer sowie dem Bau eines Dorfplatzes begonnen. Im Frühjahr 1990 wurden die Arbeiten geführt.

So wurde die Saatgutreinigungsanlage aus dem ehemaligen Bullenstall in den Raum im Gemeindehaus, in dem sie schon einmal stand, ausgelagert. Zunächst wurde die Stierscheune und die ehemalige Mühle abgerissen um dadurch die Fläche für den neuen Dorfplatz mit

Brunnen zu erhalten. Der Giebel und das Dach des Anbaues vom Gemeindhaus wurden grundlegend verändert. Der Außenanstrich wurden erneuert, im Erdgeschoss wurde der Feuerwehrgeräteraum verbreitert. Die Fundamente bzw. die Außenmauern wurden freigelegt, neu verputzt und isoliert. Das Eingangspodest wurde erneuert. Im Raum in dem der neue Elektrobackofen untergebracht ist, wurden die Wände gefliest. Im Frühjahr 1991 wurden die Baumaßnahmen am Gemeindehaus fortgesetzt. Es wurde eine Pergola über die Telefonzelle, ein Vordach über den Eingang errichtet, und was den Charakter des Platzes ausmacht, ein Mühlsteinbrunnen installiert. Nachdem die Bepflanzung abgeschlossen war, wurde er am 17. Juli 1991 unter der Mitwirkung des Gem. Chores Belg- Würrich und des neugegründeten Kinderchores, der hier seinen ersten Auftritt hatte, eingeweiht. Bei schönem Wetter wurden die Anwesenden mit Erbsensuppe und Getränken  bewirtet. Am Nachmittag gab es Kaffee und Kuchen. Anschließend hat die Gymnastikgruppe des Sportvereins die Anwesenden mit Tänzen unterhalten.

 

Im Jahr 2001 beschloss der Gemeinderat das Gemeindehaus zu renovieren. Das 1954 errichtete Gebäude war in die Jahre gekommen und das Inventar hatte nach 50 Jahren seinen Dienst getan. 2003 wurde mit den Renovierungsarbeiten begonnen und am 19.3.2004 konnte dann die Einweihung des umgebauten Gemeindhauses gefeiert werden. Die Innenräume wurden neu gestaltet, das Treppenhaus zugunsten eines Stuhlraumes abgerissen. Die Kosten wurden auf rund 424.000 Euro geschätzt, doch durch die erhebliche Eigenleistung der Würricher Bürger konnten rund 

100.000 Euro eingespart werden. Das Land bezuschusste 106.000 Euro. Außerdem wurde das Vorhaben durch Spenden unterstützt. "Besonders freuen wir uns darüber, dass sich auch die Würricher Dorfjugend finanziell an unserem Gemeindehaus beteiligt hat, das ist sehr beachtlich", verkündete Ortsbürgermeister Herr Elmar Herberts.

Für die Verbandsgemeinde Kirchberg überbrachte Carten Koppke seine Glückwünsche. "Ich bin mit diesem Haus und der Gemeinde sehr eng verbunden", erklärte der Verbandsbürgermeister, der einst in der Würricher Kirche da Eheversprechen gab.

Kirchlich gesegnet wurde das Gemeindehaus anschließend durch Pfarrer Andreas Nels und Pastor Heinz Stroh. Zum Ende des offiziellen Teils übergab Architekt Birger Boos symbolisch den Schlüssel an den Ortsbürgermeister. Von 180 Bürger und Bürgerinnen hatten sich 110 angemeldet. Aber nicht nur die Würricher Bürger waren vertreten, auch die Bürgermeister der Nachbargemeinden Belg, Rödelhausen und Hahn konnte der Ortbürgermeister begrüßen.

       

        Zur Einweihung- und Jubiläumsfeier des renovierten Gemeindhauses

          übergab Archtekt Birger Boos (links) symbolisch den Schlüssel

                     an den Ortsbürgermeister Elmar Herberts

Die Feuerwehr

Schon seit dem Mittelalter gab es Bestimmungen zur Verhütung von Feuer und zur Bereitstellung von Feuerwehrlöschgeräten. Häufig findet man in den Gemeindeordnungen die Bestimmung, wer Bürgerrechte erlangen will muß u.a. ein Feuereimer mitbringen. Die Brandweiher wurden zur Wasserreserve angelegt. Schon 1835  hatte Landrat Moritz für den Kreis Zell eine Feuerordnung herausgegeben.

In 79 Paragraphen werden Anordnungen getroffen über Feuerfeste Bauten, Unterhaltung von Gebäude, feuergefährliche Handlungen, über Löschgerätschaften, Hilfspersonal, über die Gefahren beim Brand, über

die Rettung von Personen und Sachen und die Verfahren nach gelöschtem Brande.

1869 gibt das Gemeindebeschlußbuch von Belg den Hinweis, daß die Gemeinden Belg und Würrich sich zu einem Spritzenverband zusammengeschlossen hatten und ihre Fahrspritze von Pferden gezogen wurde.

1969 wurde die Tragspritze TS 8/8 und ein Anhänger 7 SA 8 angeschafft. Um die Feuerwehr zu ihren Übungen das erforderliche Wasser bereitzustellen, wurde 1975 die alte Quellfassung mit alten Wasserhehälter angeschlossen und ein Auslaufhydrant gesetzt zum Füllen von Spritzfässern.

 

         Freiwillige Feuerwehr Würrich

                    von 1996

 

Brände

  • 1873 brannte das Gehöft des damaligen Vorstehers Nikolaus Bonn ab.
  • 1912 brannte durch Blitzschag die Scheune von Adam Jost nieder.
  • 1947 brach in der Scheune von Landwirt Artur Claßmann ein Brand aus, der auf die Scheune von Ernst Weber übergriff.
  • 1983 brannte die Scheune von Helmut Kötz bis auf die Grundmauern nieder.
  • 1988 vernichtete ein Feuer das unbewohnte Simon (früher Ernst Lang)
  • 1993 brach ein Feuer in der Werkstatt bei Heinz Thomas (Reinhold Kaufmann) aus und griff auf die daran angrenzende Scheune über, die bis auf die Stalldecke abbrannte.
  • 3. August 2015 entstand auf einem Stoppelacker im Buhlich ein Großfläschenbrand. Betroffen war eine Fläsche von 25 ha. Auf einem Großteil der Fläschen stand noch Getreide. Es waren über hundert Feuerwehrmänner im Einsatz.

Der Friedhof

Der Friedhof von Würrich lag seit altersher um die Kirche herum. Hier fanden die Toten von Würrich und Belg ihre letzte Ruhe. Mit einer Mauer wurde der Rechts- und Friedensbereich abgegrenzt.

Nach der Landfriedensgesetzgebung genoß man im Friedhofsbereich den Schutz gegen Fehlhandlungen jeglicher Art. In der Zeit von 1846-1849 erhielt der Würricher Friedhof eine neue Ummauerung. Die Mauerarbeiten führte der Maurer Anker aus. Schreiner Neuls aus Belg fertigte die Kirchhofstore an. Die Steine wurden von Chr. Mähringer im Tagelohn gebrochen und angefahren. Die Gemeinde Belg  brach ihre Steine selbst. Aus der Gemeindekasse zahlte Belg

109 Reichstaler, 14 Sgr. und 5 Pfg. und Würrich 129 Reichstaler, 23 Sgr. und 2 Pfg..(AVG Ki Spezialbaukasse Würrich).

Die Benuzung der Friedhöfe sowie die Ordnung auf demselben regeln die Friedhofs- und Begräbnisordnungen.

Das Grabmachen und Zuwerfen wurde in der Nachbarschaftshilfe ausgeführt.

 

Der jetzige Friedhof  im Flur "auf der Gaß" wurde 1878 angelegt. 1972 wurde ein neues Friedhofstor eingebaut, neue verbreiterte Wege mit Pflasterung angelegt, die Bepflanzung verbessert und ein Versenkungsapparat gekauft. (Gemeindechronik S. 134)

Der Spielplatz

Im Frühjahr 1992 wurde auf dem Restgrundstück des ehemaligen "Kloppgarten" ein Kinderspielplatz  mit verschiedenen Spielgeräten und ein Bolzplatz eingerichtet. Bei der anschließenden Bepflanzung mit Bäumen und Sträucher wurden auch  mehrere Laubbaumarten entlang der Dorfstraße angepflanzt.

Das Wirtschaftsleben des Dorfes

Die Landwitschaft

Nach dem Fläschennutzungsplan von 1966 war Würrich als Gemeindetyp eine agrare Bauerngemeinde. Der Einheitswert lag bei 736 DM pro ha. Die Dörfer der Hunsrückhochfläche sind als von der Natur benachteiligte Gebiet eingestuft.

Die Hauptbodenart von Würrich sind stark sandiger Lehm, sandiger Lehm und Lehm. Die Hälfte der landwirschaftlichen Nutzfläche ist geneigt. ( AVG Agrarstrukturelle Vorplanung S. 24)

 

Der Ackerbau

Schon Markgraf Karl Friedrich hatte zu Ende des 18. Jahrhunderts versucht, durch den Anbau von Hackfrüchten die seit Jahrhunderten bestehenden unproduktive Dreifelderwitschaft durch die Fruchtwechselschaft zu überwinden. Mit der Einführung von Kartoffeln, Klee, Raps und weiteren Blattfrüchten und mit Beginn der Stallfütterung vollzog  sich diese Änderung. Jetzt wechselte die Fruchtfolge in folgendem Turnus. Er sah auf dem Hunsrück so aus:

 

A Winterung:    Weizen oder Mengegetreide

   Sommerung:   Hafer (mit Rotklee-Einsaat) Rotklee

B Winterung:    Roggen /mit Stalldünger)

   Sommerung:   Hafer Kartoffeln (mit Stallmist und Kalk)

C Winterung:    Roggen

   Sommerung:  Hackfrucht, Erbsen oder Raps

 

Bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts geschah die Bearbeitung des Bodens durch sog. Spitzpflüge, die mit Ausnahme von Schar, Sech und Riester nur aus Holz bestanden. Auch die Rahmen für die Eggen bestanden aus Holz, ebenso die Ackerwalzen. Doch wurden mit diesen einfachen Geräten eine gründliche Bearbeitung des Bodens durchgeführt.

Auch das Einspannen des Rindviehs geschah auf diese einfachste Art. Ein Holzjoch, das in der Mitte mit einem Loch versehen war, durch das die Deichsel gesteckt war, genügte für ein Gespann.

Erst in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts kam das aus Eisen und Lederpolsterung versehene Joch auf.

Das Korn und der Weizen wurden mit der Sichel geschnitten und mit dem Flegel gedroschen, ebenso der Hafer, der jedoch mit dem Reff auf glatte Schwarden gemäht und nach einigen Tagen eingebunden und sofort nach Hause gefahren wurde.

Erst die Einführung der Dresch- und dann zu Beginn des Jahrhunderts der Mähmaschinen machten diesem

Verfahren ein Ende.

Der Gemüseanbau hatte lange nicht die Bedeutung wie im 20. Jahrhundert. Stallmist und Kalk, dazu das Knochenmehl waren die einzigen Dünger, die man kannte. Kunstdünger gab es noch nicht, ebenso keine Jauchegruben. Trotzdem wurden schon damals gute Erträge erzielt. Dazu kam der Sparsame Sinn der Bewohner. Ihre Lebensweise war die denkbar einfachste.

Zucker und Kaffee gehörten zu den Seltenheiten. Morgens und abends gab es Kartoffeln oder Hafermehlsuppe, Kuchen gab es nur an hohen Festtagen. Ebenso einfach war die Kleidung. Die Arbeitskleidung war aus selbstgesponnenem und selbstgewebten Leinen zweiter Art. sog. Werg. Für den Sonntag waren die Jacken und Tuchhosen aus besserem Leinen, und im Winter aus selbstgesponnener Wolle, sog. Tirtei.

Auch die Frauen trugen Röcke aus demselben Stoff. Im Winter spannen die Frauen beim Schein eines kleinen Öllichtes oft bis Mitternacht, während fast in jedem Haus der Mann das Garn webte.

Im Frühjahr kam das Tuch auf die Bleiche, und es war der Stolz jeder Mutter dem nach auswärts verheirateten Kind einen großen Schatz an Leinenzeug mitzugeben. Was man entbehren konnte, wurde an die Mosel getragen, meist auf dem Zeller Markt verkauft. In der Gemeinde wurde auch stets eine Schafherde gehalten, die der Hirt neben den Schweinen hütete. Im Jahre 1926 wurde die letzte Schafherde verkauft, da in folge der Umlegung der Grundstücke keine Weidegelegenheit mehr vorhanden war.

Familie Ernst Lang beim Flachsbrechen an der Brechkaul in Würrich

 

 

 

 

Familie Bonn aus Würrich beim Flachsbrechen

 

 

Landwirtschaftliches Gehöft von Adolf Hebel aus Würrich

    im Vordergrund vier Frauen beim Flachsschwingen

Trotz des enormen Fleißes und der Tüchtigkeit sahen die Landwirte von Würrich doch ein, daß der auftreibenden Arbeit nur abzuhelfen war durch die Schaffung eines guten Wegenetzes, die Trockenlegung nasser Fläschen und die Bildung größerer Parzellen. Grundlegende und unerläßliche Vorraussetzung dazu war aber die Umlegung. So beantragte die Gemeinde Würrich am 9.12.1921 die Einleitung der Umlegung. Sie wurde am 26.5.1922 durch den Beschluß der Spruchkammer für zulässig erklärt und im Jahre 1925 in Angriff genommen. Die Planzuteilung konnte 1927 erfolgen.

Als die Umlegung vorüber war, konnte die Saat als sog. Hand- oder Breitsaat nur noch schwerlich auf ein großes Feld  gebracht werden. Man entschloß sich zum Kauf von Säemaschinen. Da nun die einzelnen Betriebe nicht groß genug waren, um sämtliche Maschinen zu erwerben, und dies alles ein großes Kapital erforderte, erklärte sich die Gemeinde Würrich bereit fünf Säemaschinen auf ihre Kosten anzuschaffen. Je 6 Bürger erhielten eine solche Maschine, zwei Landwirte, die großen Besitz, zwei die mittleren und zwei die kleineren Besitz bewirschafteten.

Eine wohl einmalige Angelegenheit auf dem Hunsrück.

Strukturelle Wandlungen der Nachkriegszeit

Auf dem Gebiet der Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten ein tiefgreifender Rationalisierungsprozeß vollzogen. Von 82 Erwerbstätigen waren 1970 noch 50 in der Landwirtschaft beschäftigt, 1987 waren es nur noch 17. Das ist ein ein Rückgang von 2/3. 1970 waren noch 23 Frauen in der Landwirtschaft tätig, 1987 waren es gerade noch 6, das entspricht einer Reduzierung von ca. 3/4. Mit der Eingliederung der Bundesrepublik in die Europäische Wirschaftsgemeinschaft ging die Verschärfung des Konkurrenzkampfes auf den europäischen Märkten einher. Die Bundesregierung setzte ein einschneidendes Hilfprogramm (Grüner Plan) in Gang, forderte aber von den Landwirten erhöhte Anstrengungen. Nimmt man für die 20er Jahre noch 5 ha als das Minimum an, mit dem sich bei bescheidener Lebendshaltung eine Familie  auf dem Hunsrück ernähren konnte, so wurde in den 60er Jahren vom Landwirtschaftsministerium als Richtgrößen für Familiebetriebe zwischen 16 und 20 ha, je nach Bodenqualität, empfohlen.

Die Folge war eine Besserstellung der landwirtschlichen Betriebe, die aber zu einer recht ungesunden Entwicklung führte.

Die Beschaffung zahlreicher Maschinen, die Neuinstandsetztung der Betriebsgebäude erforderten mehr Geld, als der Betrieb mit unter abwerfen konnte. Die Landwirte beklagten sich 1969, daß die Unkosten ständig wachsen durch Maschinenkauf, Düngemittel und Futtermittel, wogegn die Einnahmen an Getreide dieselben bleiben. Auch die Viehpreise erhöhten sich kaum. Diese Entwicklung führt zu den  drei Betriebsarten, wie wir sie seit dieser Zeit kennen:

  • Nebenerwerbsbetriebe, die mehr als die Hälfte des Familieneinkommen durch Arbeit außerhalb des Hofes verdienten.
  • Vollerwerbsbetriebe mit Zuerwerb, hier wird mehr als die Hälfte des Familieneinkommens erwirtschaftet.
  • Vollerwerbsbetriebe, sie sind in der Lage die Existenzgrundlage für eine Familie ausschließlich zu sichern.

 

 

 

  Die Familie Schneider und Familie Heinz in Würrich 

            bei der Getreideernte 1955

    

                   Ein Schlepper im Ernteeinsatz in Würrich

 

v.l.: Willi Schneider, Erna Heinz, Else Schneider, Emil Schneider Sieghilde Heinz,

                        Hilde Schneider,  Maria Schneider

 

1966 gab es in Würrich 22 Schlepper, 3 Mähdrescher alle in der Gemeinschaft, 15 Ladewagen, 15 Dungstreuer und 3 Unterdachtrocknungen. Von 17 Pferden 1950 gab es 1966 nur noch 2.

In Würrich  hatte sich der Versuch, landwirtschaftliche Maschinen für mehrere Betriebe gemeinsam zu halten, nicht bewährt. Die daraus gezogene Konsequenz war die Anschaffung von  Maschinen jeden Landwirtes für sich. Aber da standen die hohen Anschaffungskosten der Fahrzeuge und modernen Maschinen in keinem Verhältnis zur Rentabilität, wodurch dann die nebenberufliche Arbeit in der Landwirtschaft nicht selten den Charakter einer natürlichen Freizeitbeschäftigung angenommen hat. Im Jahre 1975 wurde vom Kulturamt in Simmern eine Zweitzusammenlegung für die Dörfer Würrich, Belg, Rödelhausen und Hahn angelegt. Kulturamtsleiter Engelmann war zu einer Bürgerversammlung gekommen und gab die Richtlinien zu einer Zweitumlegung bekannt. Er konnte jedoch die Landwirte

"Walter Herberts und Willi Weber"  nicht für die  Zustimmung gewinnen.

Von 18 Anwesenden stimmten 5 dafür, 6 dagegen und 7 enthielten sich der Stimme. Es dauerte noch 12 Jahre, bis man sich dazu entschließen konnte. 1978 wählte die Teilnehmerschaft Landzusammenlegung einen Vorstand. 

Vorsitzender wurde: Reinhard Mohr, Stellvertreter Hans-Werner Boor und Heinz Schneider.

1994 konnten nach jahrelangen Vorarbeiten die Parzellen den neuen Eigentümern zugeteilt werden. In diesem Zusammenhang wurden in der Gemarkung Bäume und Sträucher (Heckenstreifen) gepflanzt. Auch Privatleute schlossen sich an und pflanzten heimische Obstsorten, die von den Teilnehmergemeinden bezahlt wurden.

Das Forsthaus

Im Jahre 1909 richtete der kommissarische Förster Schröbler, der den Forstverband Altlay, Würrich, Belg und Röderhausen verwaltete, an den Landrat in Zell ein Schreiben, daß zur Försterstelle keine Dienstwohnung gehöre und in den vier Dörfern keine geeignete Mietwohnung zu finden sei. Der Bau eines Dienstgehöfs für den Schutzbezirk Würrich sei daher dringend erforderlich. 1910 beschlossen die Vorsteher des Forstverbandes für den auf der Gemarkung Würrich geplanten Bau einen Kredit von 16.000 Mark aufzunehmen. Die Gemeinde Belg wollte ihren Beitrag durch Einschlag von

Forsthaus, erbaut 1911                      200 fm Fischtenstammholz auf der Pfingstheide abdecken. Die Plannung übernahm        Baumeister Anker aus Sohren, die Zimmerarbeiten fertigte Peter Schuch aus Belg. Zur Wasserversorgung sollte ein Bohrbrunnen angelegt werden. 1911 war das Forsthaus fertiggestellt. Die Baukosten wurden verteilt auf

Altlay (6.200 Mark), Würrich (5.050 Mark), Belg (2.750 Mark) und Rödelhausen (2000 Mark). Als Forstbeamter wählte der Forstverband 1952 Hans Medoch. Als der Forstverband aufgelöst wurde, stand das Forstaus zum Verkauf an. Es wurde von dem bisherigen Förster Medoch gekauft.

Die Kirchengeschichte

Würrich besaß bereits 1317 eine Kapelle. Der Turm dieser Kapelle war in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet worden. Es war ursprünglich ein Chorturm gewesen , d. h. er konnte zu gottesdienstlichen Handlungen benutzt werden. Nach Westen zu schloß sich das Kirchenschiff an. Der ungegliederte Turm hat im Innern eine lichte Fläche von 2,95 X 3.50 m mit rundbogigem Kreuzgewölbe ohne Rippen auf schmucklosem Kragsteien. Eine Rundbogenöffnung in der Westwand führte zur ehemaligen Kirche hin. In der Ost- und Südmauer befinden sich je ein Rundbogenfenster, in der Nordwand eine rechteckige Nische.

Die bis 1888 bestehende Kirche war ein Fachwerkbau auf einem 1,50 m hohen Bruchsteinsockel, das Langhaus war

9 X 11,50 m groß mit einer Holzdecke. In zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts war das Kirchenschiff, vermutlich auch durch Grundwasser so beschädigt, daß ein Neubau unumgänglich war. Der Plan war von Landbaumeister Kiss erstellt worden, die Projektierung nahm Baumeister Carl Riemann aus Simmern vor. An Kosten waren  Aufzubringen:

Altlay        8.001,23 Mark

Belg           2.475,86 Mark

Würrich    9.043,80 Mark

               19.520,89 Mark

 

1885 machte der Kirchenvorstand Belg und Altlay ein Gesuch an den Gemeindrat in Belg, den Lehm zum Ziegelbrennen unentgeldlich aus der Gemeindelehmgrube holen zu dürfen. Der Bau des Kirchenschiffes erfolgte dann in den Jahren 1887 und 1888. An der Nordseite des Turmes wurde das Schiff jetzt in der Ost- Westachse angebaut mit der Eingangstür im Westen und dem Chorraum im Osten. Die unteren Fenster im Kirchenschiff sind quartratisch gehalten, die zur Erhellung der Seitenemporen mit Rundbogen dienten. Die Deckenkonstruktion ruht auf  vorlaufenden Holzkonsolen. Der Chorraum hat einen dreiseitigen Schluß. Die feierliche Einweihung erfolgte am 18. Dezember 1888. Die alte Kirchenuhr wurde damals nicht wieder in Ordnung gebracht und die Löcher der Zifferblätter mit Brettern zugeschlagen und verschiefert.

Durch das Schlagwasser an der Wetterseite und durch  Dachwasser hatte das Mauerwerk stark gelitten. 1933 entschloß man sich  zu einer umfassenden Renovierung, wobei der ursprüngliche Zustand stark verändert wurde.

 

Bild links.: 1933 wurde am Giebel der Westwand und am Giebel der Vorhalle der Renaissanceaufbau entfernt, die Vorhalle erhielt ein  Pultdach, acht Stufen führten zum Portal, das Gewände mit je zwei Säulen springt stufenartig von vorn nach hinten zurück.

Bild rechts: Ev. Pfarrkirche beim Umbau 1933

 

 

Während des 2. Weltkrieges waren sämtliche Kirchenfenster zerstört worden. In wochenlanger Arbeit setzt

ein Glaser 1947 die Scheiben wieder ein. Das Mittelfenster im Chorraum mit dem segnenden Christus wurde Pfarrer Arnoldi gestiftet.

 

Eine umfangreiche Renovierung erfuhr die Kirche 1984. Zunächst wurde das Dach erneuert. Der Fußboden und einige Bänke waren durch Pilzbefall stark in Mitleidenschaft gezogen. Freiwillige Helfer aus Würrich und Belg schachteten im Frühjahr 1984 den Innenraum bis zur Tiefe von 0,70 m aus, nachdem man vorher den Holzfußboden entfernt und beseitigt hatte.

Am Heiligen Abend konnte in der renovierten Kirche der erste Gottesdienst wieder stattfinden. 1985 wurden die Arbeiten am Vorplatz, am Weg und an den Treppen vorgenommen werden.

 

 

 

  Ev. Pfarrkirche 1996

 

 

Bild links:   Eingangsportal ev. Kirche

 

Bild rechts: Buntglasfenster im Chorraum

Das Pfarrhaus

 

Nach den Bestimmungen der Renovation von 1607 war das ganz Kirchspiel verpflichtet, das Pfarrhaus zu bauen und zu unterhalten. Das einzige repräsentative Pfarrhaus mit vier Fensterachsen, Speichermansarde und Doppelwalm ist etwa aus der Zeit um 1700. Es steht unter Denkmalschutz.

Nachdem Pfarrer Johannes Vedder nach seiner Pensionierung das Pfarrhaus verließ, wurde es durch Baumeister Schmidt aus Hahn repariert.Trägerbalken und Dielenbretter hatten durch die Feuchtigkeit stark gelitten.Die Wände

wurden trockengelegt, das Haus von Grund auf renoviert. Die Pfarrscheune,

die seit dem Mittelalter zum Pfarrhof gehörte, wurde im Frühjahr 1968 abgerissen.

Die Schulgeschichte

Die Kirchspielschule Würrich

 

Altes Schulhaus, es wurde 1996 abgebaut und im Freilichtmuseum in Konz wieder aufgebaut

 

Die Entwicklung des Volksschulwesen nimmt nach der Reformation ihren Anfang. Die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kloster, Pfarr- und Stadtschulen hatten vornehmlich die Aufgabe, den Nachwuchs für die damals schon bestehenden Universitäten heranzubilden. Die Erziehung der Kinder in den Dörfern oblag dem Pfarren des jeweiligen Kirchspiels. Zum Kirchspiel Würrich aber gehörte zu Anfang des 17. Jahunderts die Dörfer Altlay, Belg und Rödelhausen. Das bedeutete , daß die Kinder aus diesen Dörfern nach Würrich zur Pfarrschule mußten. So werden die Pfarrer zunächst auch als Lehrer gewesen sein. Einen weiteren Hinweis auf das Bestehen einer Schule in Würrich um 1700 geben uns zwei überlieferte Rechenbücher, die das Rhein-Hunsrückarchiv in Simmern bewahrt. Das eine wurde von Johann Peter Schneider aus Würrich angelegt. Es zeugt von erstaunlichen Fertigkeiten im Rechnen, und auch die Handschrift zeigt, daß dieser Einwohner bereits eine abgeschlossene Schulbildung gehabt haben muß.

 

Die Deckseite und die Überschriften zu den Kapiteln sind kunstvoll in bunten Farben angelegt.

Auf 242 sauber geschriebenen Seiten finden sich Aufgaben zum Ein mal Eins, angewandte Aufgaben zur Addition und Subtraktion mit Proben, Multiplikationen und Divisionen, Regeldetrie, Umwandeln von Münz- und Maßeinheiten (Wechselrechnung genannt) und Buchführungsaufgaben. Das zweite Rechenbuch in Oktavform mit 322 Seiten trägt den Titel: "Sehr leichter Unterricht und Lehrart der höchstnotwendigsten und nutzbarsten Gemein- und Dezimal-Rechenkunst nebst dem System der metrischen Maaße und Gewichte". Es ist von Johann Nicolaus Kaufmann von Würrich im Monat November 1812 begonnen worden und auf Anweisung von Schullehrer Johann Christoph Faber aus Dill zusammengetragen worden.

Auch dieses Buch zeichnet durch große Fertigkeit aus. Die Besoldung der angestellten Lehrer um 1750 setzte sich aus den geringen Beträgen zusammen, die der Landesherr aus den Einkünften der aufgelösten Klöster und Kirchengüter zuschoß, und was die Kirchen, die Gemeinden und jedes "Hausgeseß" gaben. Es waren Geld- und Naturallbezüge.

Im April 1895 wurde der Lehrer Philipp Mühleis zu Bärenbach zum Lehrer der ev. Schule und zum Organisten und Kantor zu Würrich ernannt. Der neu übertragene Kirchendienst bedeutete für den Lehrer eine beträchtliche Verbesserung seines Lebensunterhalts. Sein Einkommen betrug jetzt 1150 Reichsmark. Die halbjährliche Schulinspektion hielt der

Lokal- Schuldirektor Pfarrer Arnoldi ab. 1901 wurde dem Gesangverein Würrich-Belg gestattet, seine Gesangsübungen im Schulsaal zu Würrich abzuhalten.

Im September 1907 schlossen sich die Gemeinden Würrich und Belg zu einem Schulverband zusammen. Der Gemeinderat von Belg hatte zwar kurz vorher noch den Schulverband abgelehnt und die Gründung einer eigenen Schule beschlossen. Im Gemeindeprotokollbuch heißt es: "Die Schulkinder müssen bei Regen und Schnee nach Würrich zur Schule. Bei nassen Kleidern müssen sie warten, bis die Schule geöffnet wird. Da seit etlichen Jahren auch nicht mehr der Beginn der Schule mit der Glocke kundgegeben wird, kommen die Kinder oft zu spät und erhalten Strafe. Dem Übelstand wäre durch eine eigene Schule abzuhelfen, zumal Belg 20-30 Schulkinder hat". Die Argumente reichten zur Schulbildung einer eigenen Schule in Belg nicht aus. Behördlicherseites erklärte man sich zu einem Schulverband bereit.

 

Ev. Schule Würrich-Belg ca. 1910 mit Lehrer Mühleis

 

1910 erkrankte Lehrer Mühleis. Er wurde im Mai 1914 pensioniert und nahm seien Wohnsitz in Mörschied bei Ida-Oberstein. Die Vertretung hatte Lehrer

H. Löwenstern. Mit beginn des Weltkrieges wurde er zum Heeresdienst einberufen.

Vom Dezember 1914 bis zum 20. Januar 1915 fand kein Unterricht satt, Lehrer Fochtmann von Hahn wurde nun mit der Vertretung beauftragt. Er wurde im Februar

durch den Schulamtsbewerber Friedrich Hammer aus Herrmannstein (Kreis Wetzlar) abgelöst. Dieser hatte aber wegen des schlechten Zustandes die Schulwohnung nicht beziehen können, weshalb er sich beim Bürgermeister in Büchenbeuren beklagte und Mietenentschädigung forderte.

 

Das Provinzschulkollegium Berlin übertrug am 12. November 1919 Lehrer Paul Jaske die Schulstelle Würrich-Belg. Da er die Stelle nicht gleich antreten konnte, wurde er am 11. Februar 1921 entgültig als Leherer in Würrich eingeführt.

1923 unterrichtete Lehrer Jaske in Würrich 34 Kinder. Im dritten Reich konnte sich die Schule nicht den Ansprüchen des totalen Staates und seiner Zwangsorganisationen entziehen. Politische und weltanschauliche Bildung, völkisches Gedankengut versuchte man durch Filme zu vermitteln. Reden im Radio hatten auch die Schulkinder zu hören. So gibt denn das Würricher Schultagebuch wiederholt Hinweise auf Propagandafilme und politische Kundgebungen.

Da die Lehrer häufig an Gauführertagungen und Schulungen teilnahmen, mußte vertreten werden. Im Oktober 1939, ebenso im Januar 1940 war die Schulklasse in Würrich mit Militär belegt. Alle Voksschulen waren am 13. September 1944 aus Gründen des Luftschutzes geschlossen worden. Als dann  durch die französische Besatzungsmacht zum 1. Oktober 1945 die Schulen wieder geöffnet wurden, blieb Würrich zunächst unbesetzt, und der Lehrer in Belg, Friedrich Velten, weigerte sich in Würrich zu unterrichten. Die Kinder sollten in Belg zur Schule kommen. Nach einer Eingabe der Eltern wurde Würrich wieder bestetzt. Für Lehrer Velten, der vertreten hatte, kam vorrübergehend der Lehrer namens Bußmann.

 

1948 wandte sich der Gemeinderat mit einem Bittgesuch an die  Militärregierung,

den noch suspendierten Lehrer Paul Jaske wieder  in seine  ehemalige Schulstelle Würrich einzusetzen. Bei ihm hätte die Erziehungsarbeit seit 1920 in den denkbar besten Händen gelegen. Aufgrund eines Entscheids des öffentlichen Klägers beim Untersuchungsausschuß

des Kreises Zell wurde am 16. Juni 1948 die Wiederbeschäftigung von Jaske an der Schule in Würrich verfügt. Doch bereits mit Wirkung vom 1. Januar 1949 bekam Lehrer Hermann Hamm aus Uhler seinen neuen Versetzungsbescheid nach Würrich. Jaske erhielt eine Stelle an der Volksschule in Sohren, hier blieb er bis zu                                                 Anfang 20er Jahre, Lehrer Jaske

seiner Pensionierung 1956.    

 

            Schule Würrich 1930 mit Lehrer Jaske

v.l. vorne: Helmut Ochs, Hans Jaske, Waltraud Jaske, Frieda Barthelmes, Lili Hoffmann,

                  Hilde Boor, Ida Albohr, Günter Jaske, Walter Weirich.

2. Reihe:   Walter Boor, ?, Willi Faßbender, August Hoffmann, Walter Kaufmann,

                  Hermann Jaske,  Adolf Endres, Robert Hebel.

3. Reihe:  Willi Boor, Erna Meurer, Friede Albohr, Käthe Hoffmann, Hedwig Bart,

                  Rosa Claßmann,  Lehrer Paul Jaske.

                                                                 Hinten:   Hugo Endres, Irma Kaufmann und Wilii Ochs.

 

                Ev. Schule mit Lehrer Georg Hammes 1951

Linke Reihe 1.Tisch:  Horst Eich, Robert Claßmann, Oskar Irion, Otmar Heinz.

2. Tisch:              Sieglinde Kaufmann, Gerhild Hartmann, Elsbeth Jost,   

                                     Elfriede Schneider.

3. Tisch:                      Marlies Richter, Helga Berg, Hilde Schneider, Sieghilde Heinz.  

4. Tisch:                      Else Schneider, Inge Albohr, Gisela Jost.

Rechte Reihe 1.Tisch: Elke Eich, Helga Kohl, Lenchen Kron, Lilli Schill, Reinhild Hammes.

                                             2. Tisch:                 Heinz Jost, Elli Jost, Lehrer Georg Hammes, Helga Schill, Else Kron.

                                             3. Tisch:               Walter Klein, Elmar Hartmann, Lother Scheuer, Friedhelm Claßmann.

                                

Nach kaum Dreivierteljahr verließ Lehrer Hamm Würrich. Mit Wirkung vom 1. August 1949 wurde der Lehramtsanwärter Kurt Nickweiler aus Bad Kreuznach mit der Wahrnehmung des Unterrichts beauftragt, aber kurz darauf durch den Lehrer

Georg Hammes aus Dommershausen abgelöst. Er blieb bis 1955, dann kam die Lehrerin Gertrud Noetzel von 1955-1959.

An ihre Stelle trat 1959 Hans-Ludwig Clemens aus Zittau. Als er 1969 versetzt wurde, hält er zum Abschied in der Chronik fest: "Er habe  mit gut erzogenen Kindern arbeiten können, wozu zweifelsohne die Elternschaft mit beitrug, denn sie unterstütze uneingeschränkt die erzieherischen Maßnahmen des Lehrers. Über Jahre hinweg sei Würrich die schönste Schulstelle im Kreis Zell gewesen, um die der Lehrer in Kollegenkreisen oft beneidet worden ist". (Chronik, S. 126)

 

                  Schulkinder 1961 mit Lehrer Hammes

Sitzend v. l.: Reinhilde Kaufmann, Rainer Heinz, Diethelm Ströher, Edgar Thomas,

                        Michael Clemens, Gerhild Kötz.

2. Reihe:       Brunhilde Kunz, Rosi Medoch, Annerose Kaufmann, Roswitha Kötz,

                        Manfred Jost, Heinz-Jürgen Ströher, Hans-Werner Boor.

3. Reihe:      Willi Braun, Dietmar Bonn, Robert Braun, Wolgang Ochs.

   Hinten:     Reinhard Bonn und Lehrer Hans-Ludwig Clemens.

 

    

 

  Liste der evangelischen Lehrer

         in Würrich-Belg

Zu Beginn der 60er Jahre tauchte in der Schulpolitik erstmals der Gedanke der Mittelpunktschulen auf. Die oberen Klassen sollten an zentral gelegenen Orten in Jahrgangsklassen unterrichtet werden. Das Land Rheinland-Pfalz führte nach

Beendigung des 1. Kurzschuljahres am 31. November 1966 das 9. Schuljahr ein. Der Gemeindrat von Belg hatte sich bereit erklärt, die Klassenstufen 7 und 8 in die Evgl. Schule Sohren umschulen zu lassen. Die Klassenstufen 1- 6 sollten in die Schule nach Würrich geschickt werden. Am 20. April 1966 traten die Gemeinden dem gegründeten Schulverband für Mittelpunktschulen Büchenbeuren- Sohren bei. Der neue Schulverband ließ auf der Gemarkungsgrenze von Büchenbeuren und Sohren 1968 ein neues Hauptschulzentrum errichten, Gesamtkosten 1,8 Millionen DM. Mit dem Schuljahresanfang 1970 besuchten alle schulpflichtigen Kinder des 5.- 9. Schuljahrs von Würrich und Belg die Hauptschule

in Sohren- Büchenbeuren. Für die Kinder des 1.- 4. Schuljahrs Würrich, Belg, Sohren, Büchenbeuren, Niedersohren, Bärenbach, Hahn und Briedelerheck begann die Grundschule Sohren ihre Arbeit in 8 Klassen mit zusammen 278 Kindern.

Die Schule in Würrich, die 1969- 1970 Lehrer Hans-Peter Kohl verwaltete, war mit Ende des Schuljahrers im Sommer 1970 aufgelöst worden. Damit hatte eine jahrhundertelange Volksschulgeschichte in Würrich ihr Ende gefunden.

Steinbruch und Lehmgrube

Die Gemeinde Würrich hatte ihren Steinbruch nach dem 2.Weltkrieg an Emil Thomas in Würrich verpachtet. Der Pachtvertrag wurde 1963 gelöst. Der Steinbruch lag im "Baneckerberg". Die Lehmgrube  der Gemeinde lag an der Gemarkungsgrenze nach Belg im "Pfaffenacker" an der heutigen Hunsrückhöhenstraße.

Die Erzgrube

Ein kleines Bergwerk in Würrich war zur Gewinnung von Blei und anderen Metallen angelegt worden. Es soll bis zum Jahre 1800 in Betrieb gewesen sein. Im Flur "Zingel" waren seine Spuren noch lange erkennbar. Der Schacht lag an der Einmündung der Altlayer Straße in die Hunsrückhöhenstraße. Er soll so tief gewesen sein, daß man einen Kirchturm hätte hineinstellen können. Die vom Schacht ausgehenden Stollen verliefen in nördlicher Richtung und mündeten in jenem abschüssigen Gelände im Freien. Die Stollen selbst verliefen abschüssig und waren gepflastert, dadurch konnte man bequem das gewonnene Erz zu Tage fördern, und das Sickerwasser lief ohne Pumpenvorrichtung selbst aus dem Stollen. Das Wasser floß dorfeinwärts bis in den damals noch bestehenden Weiher auf dem Grundstück Schill/Irion, der mit großen Bäumen umsäumt war. Das im Bereich des Grundstückes Ströher befindliche Gelände soll vor dem Bestehen des Bergwerks ebenso tief gelegen haben wie das des Gründstückes Artur Scheuer. Die Tallage wurde aber durch den Abraum des Bergwerks ausgeglichen. (Gemeindechronik Würrich S. 105 .f).

Die Würricher Mühle

Reste der ehemaligen Mühle am Bergbach 1996

 

Diese Mahlmühle besaß um 1700 ein Conrad Büchenbeyern. Dafür zahlte er jährlich in die Rentkammer nach Kirchberg 1 Malter Mühlenpacht. Nach einem Brand lag der Mühlenplatz viele Jahre verlassen, bis der Lehrer aus Würrich, Wilhelm Wagner und Consorten im Jahre 1754 einen Antrag beim Oberamt Kirchberg stellten, die Mühle wieder aufbauen zu dürfen. Sie verpflichteten sich, auch die Mühlenpacht zu zahlen. Das Gesuch wurde von dem Landschreiber Josef Anton unterstützt, denn durch die Inbetriebnahme der Mühle würde einem andern Müller, keinem Untertanen an schatzbaren Gütern und auch dem neu angelegten Schieferbruch kein Schaden entstehen.

Den Erbauern sollte man 10 Stämme aus den herrschaftlichen Waldungen gestatten. Der Schultheiß der Kostenzer Pflege sollte aber vorher den Platz noch einmal in Augenschein nehmen und über die Lage berichten. Dieser bemerkt, daß die Mühle die erste auf dem Würricher Bach sei, der Platz eine "Halbviertelstund" bergabwärts läge und niemand geschädigt werden können. Die Regierung in Rastatt gab daraufhin im März 1754 ihre Zustimmung.

 

Nach dem Stromanschluß an die Überlandzentrale baute Würrich eine Schrot- und Mahlmühle in einen Raum der Stierscheune ein. Am 22. August 1937 wurde von der Mühlengesellschaft eine neue Mühlenverordnung angenommen.

Jeder Einheimische hatte für die Kilowattstunde 8 Pfg. zu zahlen.

 

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